Was wäre wenn Böhmermann nicht Erdogan sondern Netanjahu beleidigt hätte?

Keine Frage wir finden das Böhmermann-Schmähgedicht ziemlich großartig. Nicht mal wegen dem Inhalt, sondern wegen dem ganzen Staub den es aufwirbelt und der Tatsache, dass sich scheinbar jeder aktuell dazu äußern muss. Und wir müssen das natürlich auch, um noch ein, zwei, drei Klicks abzustauben.

Als Freunde von Gedankenexperimenten, fragen uns ja im Zuge der allgemeine wohlfeilen Satire-darf-alles-Diskussion gerade, was wäre wohl wenn Böhmermann in seinem Schmähgedicht nicht Erdogan, sondern Netanjahu beleidigt hätte? Er hätte dabei natürlich ebenfalls erklärt, dass dies in Deutschland verboten ist und auch der gesamte andere erklärende Kontext wäre identisch. Der einzige Unterschied ist wirklich nur, dass die Aufzählung an Beleidigungen nicht auf Erdogan gerichtet sind und typisch türkische Vorurteile aufgreifen, sondern an Natanjahu und typisch jüdische / israelisch Vorurteile nutzen. Was wäre dann wohl los?

böhmermann erdogan netanjahu_p

  • Würden dann ebenso viele Leute Kurt Tucholsky zitieren und behaupten „Satire darf alles“?
  • Würde die Zeit ebenso einen offenen Brief abdrucken in dem sich eine Vielzahl an Promis mit Böhmermann solidarisiert?
  • Würde man dann auch behaupten „Kunst kann nicht in einem Klima stattfinden, in dem sich Künstlerinnen und Künstler Gedanken darüber machen müssen, ob ihr Schaffen zur Strafanzeige führt, in dem sie beginnen, sich selber zu zensieren, oder zensiert zu werden.“?

Wir wissen es nicht, aber irgendwie schätzen wir, dass die Debatte eine ganz andere Richtung nehmen würde und ein, zwei Leute weniger hinter Böhmermann stehen würden. Kann natürlich auch sein, dass wir uns irren.

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