Scholz & Friends äußert sich zu #KeinGeldFürRechts und zeigt unmissverständlich wie ihr Verständnis von Meinungsfreiheit ist

Stefan Wegner, seines Zeichens Geschäftsführer bei Scholz & Friends Berlin, hat heute ein Statement zu den letzten Tagen und dem Verhalten seines Mitarbeiters Gerald Hensel veröffentlicht. Ihr wisst schon, dass ist der Mann, der ein Blog mit dem Namen „davai davai“ führt und einen roten Stern als Logo wählte, der sich selbst als Mitte der Gesellschaft definiert (was Blogname & Logo schon belegen) und die Kampagne #KeinGeldFürRechts initiierte. Deren Ziel es ist Marken öffentlich unter Druck zu setzen, damit sie keine Werbung mehr auf Medienportalen schalten, die Gerald unter seinem roten Stern als rechts einordnet.

Natürlich fiel das irgendwann auf seinen Arbeitgeber zurück, was besonders brisant ist, da Scholz & Friends ziemlich renommiert ist und für diverse Ministerien arbeitet. Wie steht das Unternehmen also zu #KeinGeldFürRechts und zum Thema „Meinungsfreiheit“ ganz allgemein?

Wir raten euch ausdrücklich den gesamten offenen Brief zu lesen. Denn falls ihr irgendwann mal Täter seid, euch aber zum Opfer stilisieren wollt (bspw. wenn ihr eine Frau vergewaltigt die einen viel zu kurzen Rock getragen hat), dann leset und lernet von Stefan Wegner. Denn dies ist zweifellos ein Best Practice Beispiel dafür, wie man sich als Täter zum Opfer macht. In politisch korrekten Fachkreisen auch „victimblaming“ genannt.

Wir haben uns in dieser Situation als Arbeitgeber hinter Gerald gestellt. Warum? Im Namen der Meinungsfreiheit versuchen die Gegner der Aktion einen unserer Mitarbeiter mundtot zu machen („Schmeißt ihn sofort raus!“). Im vermeintlichen Kampf gegen einen Boykott freier Medien rufen sie selber zu einem Boykott unserer Agentur und unserer Kunden auf. Zur angeblichen Verteidigung der Demokratie verwenden sie Mittel der Einschüchterung, Bedrohung und Beleidigung. Das ist menschenfeindliches und undemokratisches Verhalten.

Wir halten fest: Ruft Gerald Hensel dazu auf öffentlichen Druck auf Marken aufzubauen, damit sie unerwünschte Meinungsplattformen boykottieren, um sie mittelfristig zum schweigen zu bringen und somit die Meinungsvielfalt in Deutschland zu verringern, dann ist das in Augen von Scholz & Friends vollkommen ok. Wenn allerdings Marken dazu aufgerufen werden nicht mehr mit Scholz & Friends zusammen zu arbeiten, was auf die Meinungsvielfalt in Deutschland keinen Einfluss hat, dann ist es menschenfeindlich und undemokratisch.

Die Aktion war nicht konsistent bei der Nennung der betroffenen Medien. Zunächst wurde Achgut.com als Beispiel für ein rechtspopulistisches Medium erwähnt, auf der „Blacklist“ hingegen ausdrücklich ausgeklammert. Ein liberal-konservatives Medium wie „Tichys Einblick“ stand ohnehin nie in der Kritik oder auf der Liste. Die Liste selber, erstellt von den Initiatoren der Aktion, ist subjektiv. Wann ist rechts zu rechts?

Stefan Wegner bzw. Scholz & Friends sehen somit kein Problem an der Systematik unerwünschten Medien mundtot zu machen, indem man Marken öffentlich unter Druck setzt, diese Medien nicht mehr durch Werbung zu finanzieren. Ebenso wenig sehen sie ein Problem darin, dass einer ihrer Strategischer Leiter eine Liste mit unerwünschten Medien erstellt und veröffentlicht. Das einzige Problem was Stefan Wegner bzw. Scholz & Friends mit der Aktion haben ist,  das sie nicht konsistent war.

Im Rahmen der Meinungsfreiheit ist diese Aktion legitim und muss auszuhalten sein. Sie findet im öffentlichen Raum statt. Sie ruft zur freien Meinungsbildung auf.

Wir sehen, es ist nicht nur legitim öffentlich unerwünschte Meinungen zu brandmarken und Unternehmen unter Druck zu setzen diese mundtot zu machen. Nein, diese Methode ist in Augen einer Agentur, die das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung berät ein Aufruf zur Meinungsbildung. Dazu könnt ihr euch jetzt eure eigene Meinung bilden.

luxemburg-freiheit

2 Responses

  1. Scholz & Friends äußert sich zu #KeinGeldFürRechts und zeigt unmissverständlich wie ihr Verständnis von Meinungsfreiheit ist — Schindluder | psychosputnik

    […] über Scholz & Friends äußert sich zu #KeinGeldFürRechts und zeigt unmissverständlich wie ihr Vers… […]

  2. Emannzer
    Emannzer at |

    Sehr guter Artikel, der die Doppelbödigkeit und Bigotterie unserer Zeit aufzeigt. Danke dafür, auch für die brillante Zerlegung dieser Aussagen des Scholz & Friends Geschäftsführers.

    PS: In der W&V hagelte es ja zu „Jetzt redet der Chef“ eine Menge Widersprüche der Leser. Es bleibt zu hoffen, dass darunter eine Menge Medienschaffender ist bzw. auch Agenturen, welche die Budgets ihrer Kunden (Kellog’s und Co.) verwalten.

    Im Grunde ist das eine hochpolitische Angelegenheit, da diese Werbeagentur ja nun für genug Ministerien arbeitet.

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