Der öffentlich rechtliche Rundfunk ist sich einig. Nu(h)r nicht produzieren. Zu religionskritisch!

Im vergangenen Jahr schrieb Praetorius ein einstündiges Radioportrait über den streitbaren Kabarettisten. Eine Auftragsarbeit für eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt. Praetorius tat, was Autoren und Journalisten üblicherweise tun, wenn sie eine Person portraitieren: Er rückte einen zentralen Aspekt von Nuhrs Schaffen und Denken in den Mittelpunkt des Features – seine teils recht scharfe Religions- und Kirchenkritik. Um Nuhrs auf der Bühne und im Interview geäußerte Kritik an Religion im Allgemeinen sowie Islam und Christentum im Besonderen zu vertiefen, interviewte Praetorius für das Feature ferner den Philosophen Michael Schmidt-Salomon (gbs), der für seine kritischen Auseinandersetzungen mit Religion und Kirche bekannt ist.

Wenn wir es richtig verstehen, dann ist die Idee des Beitrages, dass mit Dieter Nuhr einer der derzeit berühmtesten deutschen Kabarettisten, welcher besonders für seine Religionskritik bekannt ist, etwas genauer unter die Lupe genommen wird und gerade diese Religionskritik von einem Philosophen hinterfragt und gesamtgesellschaftlich eingeordnet wird. Also in den Ohren von uns Schindludern und Möchtegern-Bildungsbürgern klingt das nach nem durchaus interessanten Radiobeitrag. Einen den wir uns echt gern anhören würden. Für genau sowas zahlen wir auch wirklich gern GEZ. Und das meinen wir ernst! Wir schätzen mal, die Redaktionen der öffentlich rechtlichen Radiostationen sehen das genau so, oder?

[A]ls Praetorius das Manuskript der Redaktion vorlegte, die ihn mit dem Radioportrait des Kabarettisten Dieter Nuhr beauftragt hatte, wurde es abgelehnt. Zu religionskritisch.

Ach, da schau an, das wussten wir Naivlinge noch gar nicht. Offensichtlich darf man nur in gewissem Maße Religion kritisieren. Gut, dass ihr auf uns aufpasst ARD & Co. Sagt mal, warum genau den öffentlich rechtlichen Rundfunk?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bietet mit seinen Programmen in Hörfunk, Fernsehen und im Internet jeder Bürgerin und jedem Bürgerin die Möglichkeit einer Teilhabe an der freien demokratischen Meinungsbildung und trägt mit seinen Angeboten zur publizistischen Meinungsvielfalt in Deutschland bei. Er ist weder privatwirtschaftlichen noch staatlichen Interessen verpflichtet, sondern ausschließlich dem Gemeinwohl. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist damit wirtschaftlich und politisch unabhängig. Diese Unabhängigkeit gilt es gegen Einflussnahmeversuche zu bewahren.

Das ist ja interessant. Das wussten wir ja noch gar nicht. Klar, dann verstehen wir auch eure Ablehnung, denn zuviel Religionskritik  is n ich gut für das Gemeinwohl. Wo sowas hinführt hat ja Luther schon gezeigt. Aber mal ne andere Frage, braucht es den öffentlich rechtlichen Rundfunk eigentlich noch in der digitalen Welt?

Gerade in der digitalen Welt, in der die Auswahl an Programmen schier unendlich ist, ist öffentlich-rechtlicher Qualitätsjournalismus zur Orientierung und Information mehr denn je gefragt. In einer von Medienkonzentration, der Ökonomisierung und der Verschlüsselung von Inhalten geprägten Medienlandschaft trägt die ARD dazu bei, allen Bürgerinnen und Bürgern vielfältige, qualitativ hochwertige und vor allem journalistisch geprägte Angebote frei zugänglich anzubieten. Die ARD liefert damit einen essenziellen Beitrag zum politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskurs.

Gemäß dem Selbstverständnis habt ihr natürlich recht, dass man ein Portrait über Dieter Nuhr und seinen Standpunkt in Sachen „Religion“ und „Religionskritik“ nicht unterstützen und schon gar nicht senden sollte. Danke, dass ihr auf uns aufpasst und übrigens auch danke, dass ihr immer das Beste aus den 80ern und 90ern und die die Hit´s von heute spielt.

Schade, dass die Giordano-Bruno-Stiftung nicht die hohen Qualitätsstandards des öffentlich rechtlichen Rundfunks hat und so nen Schund unterstützt…

Leave a Reply